Kleinstadtidyll

Ich wohne in einer kleinen Stadt,
die mehr alte als junge Leute hat,
denn von hier aus
wird die Welt nicht gedreht.
Hier lebt man in Ruhe von der Rente,
besucht donnerstags Märkte und Marktstände,
um dann, nach einem Plausch wieder nach Haus zu gehen.
Wir sehen abends ja sowieso das Weltgeschehen in Bildern
und das Wetter von morgen.
Darum weiß ich, dass ich so ziemlich ohne Sorgen
hier leben kann.
Doch wäre ich ein Großstadtkind,
ich vermisste ganz sicher den grünen Duft im Wind,
würde mich bestimmt ganz anders kleiden,
die Menschenmassen verschreckt vermeiden
und davon schreiben, dass das Leben oft auch Makel hat.
Ich bleibe lieber hier in meiner kleinen Stadt

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Meinem Muddele zum 90.

Mein Muddele,
im Traum heute Nacht
warst du mir ganz nah.
Lange bist du vor mir her gegangen,
ich habe deinen Geruch eingefangen.

Heut wärst du 90 Jahre alt geworden,
dein Wunsch war immer,
mit allen Essen zu gehen.
Das fandest du immer schön.

Im Sonnenlicht stehen wir heute vor deinem Grab
mit einem Weh, das dich niemals vergisst.
Muddele, du wirst von uns so sehr vermisst.

Ich habe von dir viel an Leben erfahren,
bin dankbar dafür – auch heute und hier.

Mein Muddele, noch jeden Tag weine ich…..

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Es ist wie es ist

Siebenundsechzig – was erschrecke ich?!!!
Kurzerhand gebe ich mir zwinkernd noch 30 Jahre Frist,
weil mein Paps auch 97 geworden ist.
Und, was mache ich ab jetzt, was stelle ich an?
Nochmal andere Wege beschreiten, ob ich das kann,
geht es dann rasant bergab oder flach atmend bergauf?
Ich pfeife drauf, mag ich doch nun eher das Gemächliche sehr,
hab so viel Gutes, greife nicht mehr nach Mehr,
will Kälte in Sonnen – oder Ofennähe genießen,
lasse Gedanken sowieso noch kräftig sprießen.
Im Herbst zu stehen, ist gar nicht so schlecht.
Mir ist einfach nun alles recht.

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Die Liebe

Wenn ich liebe, will ich nicht nur mit dem Herzen lieben.
Alle Sinne müssen in mir klingen,
will selbst die Lieder der Seele zum Singen bringen,
verausgaben will ich mich,
nur für dich leben –
kleine Gedanken – für eben…
Nach diesem Denkspektakel
wird mir das Leben mit einem Mal ganz leicht.
Tief drinnen wurden Zweifel zerrissen
und dieses gesunde *wir* erreicht.
Und bliebe nichts weiter in mir als die Liebe zu dir,
dann wird alles, wirklich alles ganz leicht…

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Mein Tag

Schwalben fliegen am heutigen Morgen
wie die Gedanken hinter meiner Stirn.
Sie schweben leicht – Beide –
in den neuen Tag.
Noch lange werde ich mich
an diesen Morgen erinnern –
an den Flug der Schwalben,
an mein Gedachtes.
Und plötzlich weiß ich es wieder,
dass das, was endet,
oftmals ganz anders neu beginnt.
Der Tag ist mein,
ich gehe ihn an, in ihn hinein
und durch ihn durch.
Ich glaube, es wird
nicht alles gewesen sein.

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Ruhe

In aller Stille betrachte ich
wie sich das sommerliche Sonnenlicht
abends in die Weide legt und die Dinge des Tages
einfach fortbewegt.

Auch in mir legt sich die Ruhe nieder.
Wertlose Gedanken bläst der Wind ins Schwalbengefieder
und dieses falsche Wort (welches mich störte)
was ich im rechten Moment doch hörte,
ließ ich ganz einfach fallen.

Ich gehe der Nacht entgegen.
In kleinen Schrittchen.
Sichtbar als Schleifspur
im Gras.

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