Mein Freund, der Graue

Mein Grauer. Ein Einzelgänger. Schon das vierte Jahr sind wir Freunde.
Er fliegt über unserem Haus, stößt seinen Ruf aus, der aus einem
langen Pfiff und drei kurzen Pfiffen hintereinander besteht.
Da wir bei diesem herrlichen Wetter das Wohnzimmer sowieso nach
draußen verlegt haben, bin ich bereit für ihn, und ich pfeife zurück.
Darauf wartet er, fliegt eine Schleife und kommt nah runter in den Hof.
Er pfeift nochmals und ich antworte ihm. Dabei steht er direkt über mir
in der Luft. So etwas können nur Freunde. Wir wiederholen dies mehrmals
am Tag, und dies fortlaufend wochenlang.
Nun beobachte ich, dass er von jungen Rotmilanen (auch Kornweihen genannt)
attackiert wird. Sie sind dunkel in der Federfärbung, mein Freund dagegen ist in Grau
gehüllt. Neulich ließ er sich in die Baumkrone einer Blaufichte fallen
und wartete ab, bis keine Gefahr den Himmel verdunkelte. Dann schwang
er sich auf und verschwand. Doch immer und immer wieder kommt er,
lockt mich und ich ihn und ich hoffe, dass ihm sein Revier nicht streitig
gemacht wird. Er ist doch MEIN Freund, MEIN Alter, MEIN Grauer….

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Technik

So gern würde ich die Welt
mit einer Ansichtskarte mehr bereichern,
doch die Welt lebt digital.
Selbst die zitronengelbe Gartenbank
wird mit Smartphone u. ä. gebannt
und festgehalten zum Versenden –
ein ums andre Mal, nur mit einem Klick.
Und weltweit wissen alle Bescheid.
Auf einfachste Weise wird das Foto
groß gezogen, hin und her geschoben,
um alles ganz nah zu sehen –
dann ein Satz:
HDL, sind bald zurück, auf ein frohes Wiedersehen (Herzchen)

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Bequem leben

Ach, gern würde ich bequem leben,
doch schon im Ansatz bleibt mir
der Gedanke im Halse stecken.
Da passiert so viel überall,
vielleicht derzeit sogar ein letztes Mal.
So allerhand ist los.
Ich lebe ziemlich alles gern –
auch mit Eigensinn.
Drum stößt es mich bis hin zum Kopfe auf,
der Wunsch nach einem bequemen Leben
bekommt mir nicht, steht mir auch nicht so gut
zu Gesicht, und außerdem verliert dadurch
mein Wortschatz an Gewicht.
Ob kleine oder große Happen –
ich nehme, was das Leben mir so gibt…

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Ein Achtundzwanziger

IMG_5251.JPG

*Für Elise* von Beethoven
spielt meine Phonographenwalze,
wenn ich an der Kurbel drehe, und das gern.

Ein Achtundzwanziger, damit dieses kleine
Meine nicht in Vergessenheit gerät, ich liebe es.

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So nah

Nah sind wir uns.
Wir wollen unseren Worten
keinen großen Abstand gewähren.
Alles will ich mehren,
weil selbst die Zeit bei dir
zu meiner wird.

Nein. Ich verderbe sie mir nicht,
breite mich aus in deiner Gegenwart,
um so für immer
in deiner Vergangenheit zu bleiben.

Nah sind wir uns.
Ohne Abstand für Worte.

Wie wird dein letzter Satz sein ?

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Meine Träume sind mit Staub belegt,
viel zu lange hab ich sie nicht mehr bewegt.
Doch ich erkenne sie, sie strahlen hell,
ich gebe sie so schnell nicht auf.
Nun putz‘ ich sie mal hier mal da –
der eine ist mir schon ganz nah…

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Man darf ja mal fragen

Was nur macht mir meine Stunden wieder flott?
Was reißt mich aus dem ungesunden Trott?
Wer spannt mir von Zeit zu Zeit die Zeit weit?
Wer spricht mir Glück in die Glückseligkeit?
Irgendwann werde ich diese Fragen gründlich ergründen
und alle Antworten finden.

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